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Präsidentin Elise Fink-Weydert bei ihrer Ansprache zum Festessen der Luxemburger Nationalfeier am 16. Juni 2019 in Weilburg an der Lahn

Auszug aus dem "Letzeburger Bliedchen"
41. Jahrgang, Dezember 2018, Nr. 113

Le mot de la Présidente

Léiw Memberen, liebe Freunde unserer Amicale,

nach all den Feiern und Veranstaltungen, welche der November so mit sich bringt, ganz zu schweigen von den zahlreichen Geburtstagen, meiner mit inbegriffen, ist so gesehen der November keineswegs ein Monat der Ruhe und der Muße. Für mich nun die Zeit, all die schönen Momente des Vereinsjahres zu resümieren.

Die Generalversammlung im März ist ein Selbstläufer. Pierre organisiert, und wir kommen, wenn auch nicht immer zahlreich. Es grenzt schon fast an Tradition, dass Annelie die Promenade printanière ausrichtet, und so haben wir auch dieses Jahr im Mai mit Mitgliedern und Freunden einen sehr schönen Tag in Hochheim verbracht.

 Mein Enkel Rafael, jüngstes Mitglied unserer Amicale, war ganz begierig, Luxemburg näher kennen zu lernen. Angeregt durch Hille und Pierre, welche in ihren jungen Jahren ganz Europa per Wohnmobil bereisten, beschlossen wir, mit Rafael drei Tage im Mai per Wohnmobil nach Luxemburg zu fahren. Erst besuchten wir Vianden, die Burg, dann Echternach mit der Basilika und einem Gebet am Grabe des heiligen Willibrord. Luxemburg-Stadt, den Kirchberg mit seinen Hochhäusern, die Kathedrale mit der Krypta als Grabstätte der großherzoglichen Familie, den Palast mit der für Rafael sehr interessanten Wachablösung. Ein bisschen Bammel hatte er, aber vor allen Dingen Respekt vor den Soldaten mit ihrem Gewehr, und erst nach einem freundlichen Augenzwinkern eines Wachsoldaten traute er sich näher an den Palast. Abschluss unserer Luxemburg-Tour, war die Besichtigung der Burg Beaufort, wo wir in sehr kleinem Kreis eine Führung mit der Châtelaine Jacqueline Kuijpers durch die Wirtschaftsgebäude und die privaten Räume des Renaissanceschlosses bekamen. Madame Kuijpers sprach von der Beauforter Familie Even und ihren Nachfahren der Herren von Burg und Schloss. Rafael meldete sich zu Wort mit der Frage: Ist das unser Pierre Even? Dem ist so! Und mit einem Cassero du Château de Beaufort beschlossen wir unsere Besichtigung.

Der Höhepunkt des Jahres ist die Luxemburger Nationalfeier, die zweimal nacheinander in Wiesbaden-Biebrich mit der Amicale und zahlreichen Gästen aus Weilburg und Luxemburg stattfand. Eine ganz besondere Ehre, und immer eine große Freude für den LFRM, Honorarkonsul Dr. Fritz Becker mit Gattin willkommen zu heißen.

Der September das „Hierscht-Poteren“ im Landhaus Diedert, gerne verbunden mit einer Lesung über einen Luxemburger Schriftsteller. Dieses Jahr gönnten wir uns ein literarisches Bonbon. Anja Di Bartolomeo, eine begnadete junge luxemburgische Schriftstellerin, las uns aus ihrem neuen Buch Chamäleons vor. Die Geschichte ging nicht nur mir unter die Haut. So präzise beobachtet und ohne Kompromisse geschrieben, das zeugt von großer Begabung und feinsinniger Literatur. Anja Di Bartolomeo hat verdienterweise den 1. Preis im Nationalen Literaturwettbewerb in Luxemburg 2017 erhalten. Nach der Lesung schenkte sie jedem von uns das Buch Chamäleons mit einer persönlichen Widmung, und so neugierig wie ich bin, habe ich alle Erzählungen gelesen. Die Protagonisten in den einzelnen Erzählungen schaffen es nie eine Wendung in ihrem Dasein zu vollziehen, außer Leo, bei ihm stellt sich mir nicht die Frage: Was wäre wenn? Nein Leo handelt, er geht, er hat den Mut, und lässt hoffen…

Am 17. November, Öffnung der Fürstengruft in Weilburg. Der Bürgermeister von Colmar-Berg, Herr Miny, war mit einer kleinen Delegation der Gemeinde auf Einladung des Weilburger Bürgermeisters Dr. Johannes Hanisch anwesend. Unser Amicale-Mitglied und ehemaliger Bürgermeister von Weilburg, Hans-Peter Schick, unternahm für die Gäste eine amüsante und sehr interessante Stadtführung.

Anfang November war das Orchestre Philharmonique du Luxembourg (OPL) on Tour in der Alten Oper in Frankfurt. Auf dem Programm stand das Violinkonzert D-Dur op. 61 von Ludwig van Beethoven unter der Leitung des Chefdirigenten Gustavo Gimeno, Violonistin war Vilde Frang. Sie betörte und verführte hauchfein wie edelstes Porzellan das Publikum, und wurde mit großem Beifall gefeiert. Als Zugabe, für Solovioline arrangiert von Fritz Kreisler, die wunderschöne Haydn-Hymne Gott erhalte Franz den Kaiser. Die Intonation lupenrein und wunderbar erfrischend. Für mich war der Kaiser nicht präsent. Ich sah und hörte die Hymne als Hommage an das begeisterte Publikum, eine Versöhnung mit der Geschichte, und wofür diese Hymne steht: Einigkeit, und Recht, und Freiheit.

In diesem Sinne wünsche ich allen Mitgliedern und Freunde eng schéi besënnlech Adventszäit, frou Chrëschtdeeg, an e glécklecht neit Joer. 

Elise Fink-Weydert

Hierscht-Poteren am 24. September mit Anja Di Bartolomeo

LFRM-Präsidentin Elise Fink-Weydert und die kleine, aber feine Runde der LFRM-Mitglieder hatten die Freude, am 24. September im Restaurant Landhaus Diedert in Wiesbaden-Alt Klarenthal, welches sich zum Teil in den noch erhaltenen Resten des 1298 durch den nassauischen König Adolf gestifteten Klarissenklosters Klarenthal befindet, die sympathische luxemburgische Autorin Anja Di Bartolomeo begrüßen zu können. Sie war uns bereits durch den Artikel im „Letzeburger Bliedchen“ Nr. 112, Juli 2018, Seite 13 bekannt gemacht worden, und Pierre Even stellte sie den Anwesenden nochmals vor.

Anja Di Bartolomeo las zuerst aus der spannenden, zugleich auch etwas makabren Kurzgeschichte „Clara“ vor, erschienen im Erzählungsband „Chamäleons“, der 2017 den 1. Preis im Luxemburger Nationalen Literaturwettbewerb erhalten hatte.

Clara ist Krankenschwester in einer Klinik und übernimmt gerade die Nachtschicht. In den Krankenzimmern befinden sich schwerkranke, sterbende Patienten. In Zimmer 5 liegt seit zwei Tagen der Patient Dr. Joachim Metzger, mit Glioblastom im linken Frontallappen und Metastasen in Leber und Lunge. Er sagt kein Wort mehr, trägt die Sauerstoffmaske, sein Körper verfällt sichtlich, das Atmen ist ihm eine Qual. Clara gehen alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Sie wendet sich den anderen Patienten zu, tröstet sie. Aber Metzger geht ihr nicht aus dem Sinn, es ist ein Wiedersehen, das sie so nicht geplant hatte. Weglaufen bringt nichts. Sie liest die Patientenakte. Die verschriebene Dosis ist hoch. Wenn er sie bekommt, wird er keine Schmerzen haben und nicht mehr aufwachen. Um 10 Uhr muss Clara ihm den Tropf anhängen, kalte Zweifel umschnüren unsichtbar ihren Hals. Sie weiß nicht, ob sie es kann. Ob sie es will. Jeder bekommt irgendwann das, was er verdient. Wenn man stirbt, kommt die Abrechnung, ist es zu spät. Das ist der Preis, den man zahlt. Metzgers letzte Nacht hat begonnen, und Clara wird entscheiden, ob er den Preis zahlt. Als sie in sein Zimmer kommt, sieht er sie erstmals an. Claras Hände zittern. Wenn er ein Patient wie jeder andere wäre, hätte sie ein aufmunterndes Gespräch angefangen. Aber Metzger kann nicht mehr reden. Clara stellt die Flasche ab, möchte am liebsten fort, und wartet. Sie erinnert sich an ihre Schulzeit, als Metzger Schulleiter war und seinen Leitsatz „Elite heißt Kontrolle“ gezielt und autoritär einsetzte. Auch Claras Vater dachte so. Clara geht ihren Gedanken nach, eine Viertelstunde ist sie schon über die Zeit für den Tropf. Und in einer halben Stunde wird Metzger es vor grässlichen Schmerzen nicht mehr aushalten können. Clara hat kein Mitleid, erinnert sich, wie Metzger die schwachen Mitschüler kaltblütig an den Pranger stellte. Nach 20 Minuten hat Clara den Eindruck, dass sich alles umgekehrt hat, dass der rasselnd daliegende Metzger der schwache Schüler und sie die Richterin ist. Metzger ist am Ende, und 25 Minuten sind bereits vergangen. Clara erinnert sich an ihr Versagen in Latein im vierten Jahr, ihr Versprechen an ihre sterbende Mutter. Eine halbe Stunde hat sie nun überschritten, kann sich nicht entscheiden. Als Clara das Abiturzeugnis in der Hand hatte, hatte sie Metzger gesagt, dass sie nicht wie vorgesehen Medizin studieren, sondern sich in die Krankenschwesternschule einschreiben würde. Metzger war damals völlig ausgerastet, sie hätte seine Schule in den Dreck gezogen und würde ihre Chance, zur Elite zu gehören, aufgeben, um alten Leuten den Hintern abzuwischen. Er schlug ihr mehrfach ins Gesicht und schrie: „Sofort raus hier“. Und der elitär denkende Vater verstieß sie. Metzgers Körper zuckt, das Brodeln wir lauter, die Flecken kriechen die Arme herauf, er ringt nach Luft. –

Wie die Geschichte endet, verriet Anja Di Bartolomeo nicht, und auch wir geben es hier nicht preis. Die Autorin las zwar nur einen Teil der Erzählung, aber jeder konnte die große Spannung in dieser Geschichte um Leben und Tod mitfühlen und miterleben.

Ein ganz anderes Genre, nicht nachdenklich und deprimierend, sondern lustig und aufgekratzt, führte uns die Autorin mit der Lesung aus dem noch unveröffentlichten Manuskript „Tante Lotti fliegt zum Mars“ aus dem geplanten Erzählungsband „Nicht zu spät“ vor. Beim Vorlesen aus dieser tragikomisch Erzählung konnte Anja Di Bartolomeo mehrfach ihr eigenes Vergnügen über die witzigen Einfälle und auch ihr lautes Lachen nur schwer unterdrücken, mit dem sie immer wieder ihre Lesung unterbrechen musste. Ihr Text und ihr Lachen riss sofort auch die Zuhörerschaft desgleichen zu lautem Lachen mit.

Beim anschließenden gemeinsamen Mittagessen à la Carte – wobei der LFRM den Aperitif spendierte – wurde Anja Di Bartolomeo noch durch vielfältige Nachfragen

und Erkundigungen ins Gespräch gezogen, und alle Teilnehmer waren sichtlich angenehm von ihr angetan. Zum Abschluss hielt ein Gruppenfoto diesen denkwürdigen Nachmittag fest.

Ein rundum gelungenes „Hierscht-Poteren“ auf hohem Niveau. Dank auch an Claude D. Conter vom CNL / Lëtzebuerger Literaturarchiv für die Vermittlung.

E ganz décken Merci, Anja, fir Deng Kommen a Deng remarquabel Liesung. Mir freeën eis, dass Du speziell fir eis zousätzlech eng wonnerbar Chrëschtdags-Erzielung geschriwwe hues (Stille Nacht, S. 9-10)!                                                        Pierre Even


Gedenken an Großherzog Adolph in Weilburg

Wie alljährlich am 17. November, wurde auch dieses Jahr, einer langjährigen Tradition entsprechend, in Weilburg an der Lahn dem letzten regierenden nassauischen Herzog und Begründer der Luxemburger Dynastie, Großherzog Adolph von Luxemburg, anlässlich seines 113. Todestages die Ehre erwiesen. Er ruht seit 1953 in der Gruft seiner Vorfahren in der protestantischen Schlosskirche.

An der von Pfarrer Guido Hepke und Kantorin Doris Hagel gestalteten Gedenkfeier nahmen teil, neben zahlreichen Bürgern und Bürgerinnen aus Weilburg und Umgebung, der Weilburger Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch, der Bürgermeister von Colmar-Berg Christian Miny mit mehreren Mitgliedern des Gemeinderates.

Ferner nahmen teil die Präsidentin des Luxemburger-Freundeskreises Rhein-Main Elise Fink-Weydert und das Vorstandsmitglied Olivier Schrikker, der LFRM-Ehrenpräsident und Direktor des Großherzoglichen Hausarchivs Pierre Even, der Vorsitzende des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung Dr. Rolf Faber, der Vorsitzender der AG Biebricher Vereine und Verbände Günter Noerpel, und aus Weilburg noch besonders Altbürgermeister Hans-Peter Schick und der Hauptmann der Bürgergarde Dirk Petersen mit Leutnant Rüdiger Lehn und acht Gardisten, welche die Ehrenwache am Zugang zur Fürstengruft hielten.

In seiner Predigt erinnerte Pfarrer Hepke an die Herrscher früherer Zeiten und an die Geschichte der Stadt Weilburg und Deutschlands. Besonders erinnerte er an die Herrscher aus der Linie Nassau-Weilburg, speziell Herzog Wilhelm zu Nassau, der vor 200 Jahren, am 3. März 1818 die im nassauischen Verfassungsedikt von 1814 vorgesehene erste nassauische Ständeversammlung in einem Saal des älteren Schlosses zu Wiesbaden feierlich eröffnete.

Hierdurch beschränkten die nassauischen Herrscher freiwillig ihre absolute Macht – der Anfang eines demokratischen Prozesses, der auch Rückschläge verzeichnen musste, denn Herzog Wilhelm, der Vater von Großherzog Adolph, war nie verliebt in das neue Institut der ständischen Verfassung. Doch die Menschen in Nassau hatten nun mehr Rechte gegenüber dem Staat, und vor allem größere Freiheiten, auch der Religionsausübung. Pfarrer Hepke appellierte an die heutigen Verantwortlichen, alles zu tun, um unsere Demokratie zu erhalten und zu verteidigen – Garant unserer Freiheit.

Zum Ende der Gedenkfeier wurden in der jährlich normalerweise nur einmal der Öffentlichkeit zugänglichen Fürstengruft Kränze und Blumengestecke vom Großherzoglichen Hof, der Stadt Weilburg, der Gemeinde Colmar-Berg, vom Luxemburger Freundeskreis Rhein-Main und von der AG Biebricher Vereine und Verbände niedergelegt. Eine Gedenkminute in der Fürstengruft, das Vaterunser und der Segen beendeten die würdige Gedenkfeier.                                                                            Red.


Hintergrundmusik: Pierre Even (1946): Paraphrase sur le "Wilhelmus" op. 40 - Holzbläserquartett der Wiesbadener Musikakademie (Wiesbaden 2008)

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